Möllwaldplatz 5/3, 1040 Wien, Austria, T +43 1 713 35 94, kultureninbewegung(at)vidc.org
my position: Homepage > Projekte > Archiv > 
 

Abgeschlossene Projekte

2002 - Ethiopian Azmari

Musik und Tanz aus den Hinterhöfen von Addis Abeba

Die Seele Äthiopiens 14. - 25. 06. 02

 

Begeisterte der Circus Ethiopia vor zwei Jahren im Rahmen seines Wiener
Gastspiels nicht nur durch seine "symphatische" Akrobatik, so fasziniert
schon beim ersten Hinhören die "andere afrikanische Musik" aus Äthiopien.
Sie unterscheidet sich gänzlich von hierzulande bekannten afrikanischen
Rhythmen. Die Azmaris (Sänger-Poeten), die durch das riesige Land wanderten
und wandern, stellten während ihres Gastspieles in Österreich in insgesamt
6 Konzerten und 6 Workshops (Volks-, Haupt- und Musikschulend) ihr Können
unter Beweis. Bis heute spielen die Azmaris im traditionellen Sinne alleine
oder in kleinen Gruppen. Sie begleiten sich oder einen zweiten Azmari
(männlich oder weiblich) mit der Krar oder mit der Masinqo. Die Krar ist
eine sechssaitige Version der in ganz Ostafrika verbreiteten Leier und die
Masinqo eine einsaitige Fidel, wie sie überall zwischen Äthiopien und
Marokko zu finden ist.  Der Gesang orientiert sich oft an Liebesliedern,
hinter denen sich aber nicht selten Kritik an politischen, sozialen,
gesellschaftlichen Zu- bzw. Missständen verbirgt; "Sam-ennawarq" nennt sich
diese Tradition. Dazu gesellen sich in größeren Gruppierungen
Tänzer/innen, die sich in stundenlanger Darbietung oft bis zur Ekstase
hineinsteigern.  

Azmari in Österreich

Wer immer in den 11 Tagen ihres Aufenthaltes die Gelegenheit hatte, die
Gruppe live zu erleben, wird das umfassende musikalische Repertoire und die
Improvisationskunst der Musiker annähernd nachvollziehen können, wenn auc
die ironischen Botschaften für uns nicht direkt verständlich und nur aus
den Reaktionen der anwesenden Äthiopier abzulesen sind
Das Gastspiel der Ethiopian Azmaris bot jedenfalls die Chance, eine bislang
sehr wenig beachtete Facette der Musik des afrikanischen Kontinents in
Österreich vorzustellen.
Darüber hinaus konnte in diesem Zusammenhang ein anderes Bild Äthiopiens
(Lebens- und Spielfreude, musikalische Traditionen) in der Öffentlichkeit
präsentiert werden, das in den letzten Jahren doch wesentlich von Armut,
Hungerkatastrophen und Krieg geprägt wurde.
 

Eindrücke

Wie bei sämtlichen von kulturen in bewegung/vidc organisierte
Gastspiel-Reisen hatte der Vermittlungs- und Begegnungsaspekt eine zentrale
Bedeutung. Den Gäste sollte abseits der Konzerthäuser ein einigermaßen
realistisches Bild Österreichs vermittelt werden. Dazu zählten u.a.
Konzertbesuche, Kontakt zu MusikerInnen  und Workshop-Begegnungen an
Musik-Schulen.
Wels bildete den gelungenen Auftakt, wo die "Azmaris" bereits im
vergangenen Jahr im Rahmen des Festivals "music unlimited" für Aufsehen
sorgten. 70 BesucherInnen hießen die Gäste im Rahmen ihres Konzertes
willkommen. Tropische Temperaturen und prächtige Stimmung beim Süwind-Fest
im Uni-Campus: Unter Beteiligung zahlreicher MigrantInnen aus Äthiopien
gaben sie ein mitreißendes Konzert, das sicherlich als einer der
Höhepunkte ihrer Österreich-Tour bewertet werden kann. Vor allem wie die
Musiker mit den anwesenden Landsleuten kommunizierten und deren
Begeisterung auch auf die übrigen Gäste überschwappte, zeigte einmal mehr
die universale Kraft der Musik. Ähnlich der Auftritt im Wiener "Azmari-Bed
(= äthiopisches Musik-Beisel und Heimstätte vieler Azmaris), dem Gasthaus
Vorstadt in Ottakring. Trotz erhöhter Raumtemperatur, boten die Azmaris
hier auf engstem Raum Einblick in ihre Art des gehobenen Entertainments.

Darüber hinaus konnten die Musiker in Wien neben einer Führung durch die
Klavierfabrik Bösendorfer, im Konzerthaus auch einem klassischen Konzert
mit Werken Mozarts und Beethovens beiwohnen. Für die äthiopische Gemeinde
in Wien bedeutete der Besuch einen echten Höhepunkt. Dementsprechend fielen
auch die Reaktionen auf die beiden Wiener Konzerte aus und wir sind
bestrebt, dieses entfachte Interesse an äthiopischer Musik weiterzuführen,
denn auch für viele äthiopische MigrantInnen stellte das Gastspiel einen
ersten Kontakt zur Musikkultur der Azmaris dar.
Ein Vortrag des Äthiopien-Musik-Experten und Tourbegleiters Francis Falceto
(Abessinian Swing) an der Universtität Wien (Musikwissenschaft) rundete das
Programm in Wien ab. 

In St. Martin im Mühlkreis stand von Beginn an der Begegnungscharakter im Vordergrund. In den zahlreichen Workshops konnten die Schülerinnen und Schüler Kontakt zu den MusikerInnen aufbauen und erstmals äthiopischen Klängen lauschen. Höhepunkt war der Auftritt vor der grandiosen Kulisse eines Steinbruchs in Plöcking bei St. Martin, der den zahlreich erschienen Gästen die für sie sicherlich ungewohnten Rhythmen vermittelte. Ein Experiment, das  durchaus interessiert und zustimmend aufgenommen wurde. Dank der lokalen Initiative von in Innsbruck lebenden Äthiopiern konnte neben dem gut besuchten Konzert ein Besichtigungsprogramm und optimale Betreuung geboten werden, das ihnen die Innsbrucker Bergwelt näherbrachte. Den würdigen Abschluß bildete einmal mehr die stimmungsvolle Kulisse des Siriuskogels in Bad Ischl.

Abbebe Feqade (voc, messenqo)
Yerusalem Dubale (voc)
Etenesh Wassie (voc)
Taddesse Andargue (voc, accordeon)
Asnaqe Gebreyes (kebero percussion, voc)
Feqerte Getnet (esksta tanz)
Gzate Gelay (messenqo, voc)

 

Michael Melake (Tourbegleiter, Übersetzer)
Francis Falceto (Tourbegleiter, Fahrer, Musikforscher Schwerpunkt Äthiopien)

To top